Wissenscampus und Junioruniversität- Ein neuer Verein will MG als Wissenszentrum etablieren

Altes Polizeipräsidium Mönchengladbach, Theodor-Heuss-Straße

Aus dem alten Polizeipräsidium auf der Theodor Heuss Straße soll ein Wissenscampus werden. Das Geld dazu soll aus einem 15 Milliarden großen Fördertopf der Zukunftsagentur Rheinisches Revier kommen.

Neue edle Wohnungen, eine Markthalle, die Seestadt. Große Projekte die in Mönchengladbach in den nächsten Jahren realisiert werden. Mit dem Ziel kaufkräftige Bevölkerung in der Stadt zu halten oder anzuziehen. Klingt nach einer guten Idee. Aber um tatsächlich nachhaltig zu wachsen braucht Mönchengladbach neben gehobenen Immobilien vor allem eins: gute Arbeitsplätze, Zukunftsbranchen, Stellen mit guten Gehältern. Der Umzug der SMS Group vom Standort Düsseldorf an den Ohlerkirchweg ist sicher ein großer Baustein im Puzzle Strukturwandel. Aber um die ganze Stadt mitzunehmen, soll und muss noch mehr passieren.

Zukunftsagentur Rheinisches Revier- 15 Milliarden für die Braunkohleregion

Nach Radio 90,1 Informationen sollen dazu Fördergelder in zweistelliger Millionenhöhe  durch die WFMG beantragt werden. Konkret geht es um einen Topf von 15Milliarden Euro der Zukunftsagentur Rheinisches Revier. Oder besser gesagt, aus dem Strukturstärkungsgesetz, das der Bund für die Braunkohleregion auf den Weg bringen will. Für Mönchengladbach eine einmalige Chance Gelder abzurufen und groß in Themen wie Innovation und Digitalisierung zu investieren.

Wissenscampus – Das alte Polizeipräsidium soll Innovationsstandort werden

Ein wichtiges Projekt, das auch der Verein @nextmg immer wieder betont, ist die Bildung eines Innovationscampus. Das alte Polizeipräsidium an der Theodor Heuss Straße bietet dazu die ideale Fläche in der Nähe der Hochschule. Daher hat die Wirtschaftsförderung der Stadt erste Ideenskizzen an die Zukunftsagentur geschickt. Unter anderem für das Gebiet, altes Polizeipräsidium. Hier könnte man sich in Zukunft eine Art Wissenscampus und eine Junior Universität in Nähe der Hochschule vorstellen.

Verein für Zukunftsvisionen- Nach dem Masterplan ist vor dem Wissenscampus

Um alle Kräfte und Experten in der Stadt für dieses wichtige Vorhaben zu bündeln, soll sich ein neuer Verein gründen, der sich mit Zukunftvisionen für unsere Stadt beschäftigt. Also ähnlich wie die Initiative “Masterplan Verein”, der  sich nach Verwirklichung seiner Ziele im Städtebau vor kurzem aufgelöst hat. Nach Radio 90,1 Informationen wird die Gründerversammlung des Vereins Wissenscampus Mitte Dezember in der IHK auf der Bismarckstraße stattfinden. Dieser Verein möchte nach eigener Aussage Vorhaben in den Bereichen Wissenstransfer, Innovation und Qualifizierung in Mönchengladbach unterstützen. 

Beispiel Innovationscampus Hochschule Bonn- Rhein- Sieg

Ziel soll es sein, Mönchengladbach als Wissenszentrum mit überregionaler Strahlkraft zu etablieren. Der Verein soll die Aktivitäten der Mitglieder in einem Netzwerk koordinieren. Mönchengladbach bringt sich in Stellung, um vorbereitet zu sein, wenn es darum geht Fördergelder der Zukunftsagentur abzurufen. Dazu braucht es durchdachte Konzepte in Themenbereichen, die nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart bestimmen. Innovation und Digitalisierung. Oder Innovation durch Digitalisierung. Die nächsten Schritte des Strukturwandels werden vorbereitet. Beispielhaft für den Wissenscampus könnte der Innovationscampus der Hochschule Bonn- Rhein-Sieg sein.

Azubimangel im Handwerk und was Damentoiletten damit zu tun haben

Foto: Isabella Raupold

Es ist paradox. Das Handwerk in Deutschland hat richtig gut zu tun. Nach eigener Aussage sind die Auftragsbücher zu 200% gefüllt und Kunden müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Ob Tischler, Elektriker oder Maler. Überall brummts. Trotz guter Auftragslage und bester Zukunftsaussichten findet das Handwerk aber kaum Azubis. Und fehlende Damentoiletten haben damit auch zu tun. Aber dazu mehr am Ende des Textes.

Vom Maler zum Lackierer- Eine Woche Handwerk testen

Als dann die Gelegenheit kam, eine Woche lang Ausbildungsberufe bei der Kreishandwerkerschaft in Mönchengladbach kennenzulernen, musste ich nicht lange überlegen. Beste Gelegenheit für einen Reporter mal nachzufragen bei Azubis und Ausbildern, was sie glauben woran es liegt, dass kaum jemand ins Handwerk drängt. Ich durfte in die Bereiche KFZ, Maler & Lackierer, Elektriker und Tischler reinschauen und habe viel gelernt. Die Berufe sind sehr unterschiedlich und haben meiner Meinung nach größtenteils das gleiche Problem: sie stecken in einer Schublade. Wenn man nicht im Handwerk arbeitet, weiß man eigentlich kaum, was die einzelnen Gewerke so machen. Auch hat man kaum eine Ahnung welche Weiterbildungsmöglichkeiten es nach der Ausbildung gibt. Denn diese bildet eigentlich nur den Grundstock.

Das Handwerk aus seiner Schublade holen

Man lernt nicht am Schreibtisch, sondern an der Werkbank. Könnte für viele eine wichtige Erkenntnis sein, die glauben unbedingt studieren zu müssen. Auch Handwerk ist komplex und fordert. Zum Beispiel der Bereich Elektrik, der immer digitaler wird. Der Maler tapeziert nicht nur, sondern kann auch kunstvolle Untergründe erschaffen und gestalten. Der Tischler darf und muss kreativ sein, muss Gefühl für Oberflächen haben und viel mit Auge arbeiten. Der KFZ- Mechatroniker trägt große Verantwortung, denn er repariert die Bremsen des 180 km/h schnellen Autos. Der Elektriker schließt nicht nur die Steckdose an, sondern programmiert auch Schaltungen.

Keine Damentoilette in der Autowerkstatt

Ich habe viele nette Menschen kennengelernt in meiner Woche im Handwerk. Habe aber auch gemerkt, dass es Frauen nach wie vor schwer haben. In kaum einer Klasse waren mehr als 2 Damen in der Ausbildung. In mancher gar keine. Im KFZ Bereich ist es zum Beispiel für Mädchen kaum möglich eine Lehrstelle zu finden. Denn viele Betriebe sind nicht auf Frauen vorbereitet. Sie halten keine Damentoilette oder Damenumkleiden vor und können daher weibliches Personal nicht ausbilden. An dieser Stelle muss auch das Handwerk dringend umdenken, um mehr Jugendliche oder Studienabbrecher für eine Ausbildung zu begeistern.

Meine Reportagen und Interviews, die in Sondersendungen „On Air“ gehen, um junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern, könnt Ihr auch hier in den nächsten Wochen als Podcast anhören. Viel Spaß!

Foto: Isabella Raupold