Azubimangel im Handwerk und was Damentoiletten damit zu tun haben

Foto: Isabella Raupold

Es ist paradox. Das Handwerk in Deutschland hat richtig gut zu tun. Nach eigener Aussage sind die Auftragsbücher zu 200% gefüllt und Kunden müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Ob Tischler, Elektriker oder Maler. Überall brummts. Trotz guter Auftragslage und bester Zukunftsaussichten findet das Handwerk aber kaum Azubis. Und fehlende Damentoiletten haben damit auch zu tun. Aber dazu mehr am Ende des Textes.

Vom Maler zum Lackierer- Eine Woche Handwerk testen

Als dann die Gelegenheit kam, eine Woche lang Ausbildungsberufe bei der Kreishandwerkerschaft in Mönchengladbach kennenzulernen, musste ich nicht lange überlegen. Beste Gelegenheit für einen Reporter mal nachzufragen bei Azubis und Ausbildern, was sie glauben woran es liegt, dass kaum jemand ins Handwerk drängt. Ich durfte in die Bereiche KFZ, Maler & Lackierer, Elektriker und Tischler reinschauen und habe viel gelernt. Die Berufe sind sehr unterschiedlich und haben meiner Meinung nach größtenteils das gleiche Problem: sie stecken in einer Schublade. Wenn man nicht im Handwerk arbeitet, weiß man eigentlich kaum, was die einzelnen Gewerke so machen. Auch hat man kaum eine Ahnung welche Weiterbildungsmöglichkeiten es nach der Ausbildung gibt. Denn diese bildet eigentlich nur den Grundstock.

Das Handwerk aus seiner Schublade holen

Man lernt nicht am Schreibtisch, sondern an der Werkbank. Könnte für viele eine wichtige Erkenntnis sein, die glauben unbedingt studieren zu müssen. Auch Handwerk ist komplex und fordert. Zum Beispiel der Bereich Elektrik, der immer digitaler wird. Der Maler tapeziert nicht nur, sondern kann auch kunstvolle Untergründe erschaffen und gestalten. Der Tischler darf und muss kreativ sein, muss Gefühl für Oberflächen haben und viel mit Auge arbeiten. Der KFZ- Mechatroniker trägt große Verantwortung, denn er repariert die Bremsen des 180 km/h schnellen Autos. Der Elektriker schließt nicht nur die Steckdose an, sondern programmiert auch Schaltungen.

Keine Damentoilette in der Autowerkstatt

Ich habe viele nette Menschen kennengelernt in meiner Woche im Handwerk. Habe aber auch gemerkt, dass es Frauen nach wie vor schwer haben. In kaum einer Klasse waren mehr als 2 Damen in der Ausbildung. In mancher gar keine. Im KFZ Bereich ist es zum Beispiel für Mädchen kaum möglich eine Lehrstelle zu finden. Denn viele Betriebe sind nicht auf Frauen vorbereitet. Sie halten keine Damentoilette oder Damenumkleiden vor und können daher weibliches Personal nicht ausbilden. An dieser Stelle muss auch das Handwerk dringend umdenken, um mehr Jugendliche oder Studienabbrecher für eine Ausbildung zu begeistern.

Meine Reportagen und Interviews, die in Sondersendungen „On Air“ gehen, um junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern, könnt Ihr auch hier in den nächsten Wochen als Podcast anhören. Viel Spaß!

Foto: Isabella Raupold

Borussia Hautnah- Der Talk mit Tony Jantschke und Michael Lang

Vor dem Auswärtsspiel in Mainz durfte ich eine Stunde mit den Borussen Michael Lang und Tony Jantschke auf Radio 90,1 talken. Die Lage von Spielern und Club war vor dem Spiel in Mainz eine völlig andere als danach. Lang hatte viel Spielzeit bis zum Auftritt gegen die Bayern, Jantschke wurde kaum berücksichtigt. Die Stimmung im Umfeld nach der hohen Heimniederlage gegen die Bayern krisenhaft.

Quelle: borussia.de/presse
Quelle: borussia.de/presse

Trotzdem waren die beiden gut drauf am Aschermittwoch und sehr gesprächig. Zwei Jungs mit denen man auch gern in einem Team spielen würde. Das Auswärtsspiel in Mainz änderte dann so einiges. Jantschke fand sich plötzlich für den verletzten Ginter in der Startelf wieder, Lang musste für Johnson seinen Stammplatz räumen. Am Ende gab es nach vier sieglosen Spielen endlich wieder einen Sieg. Und ein bisschen was wurde auch in der Sendung prophezeit ;-). Hört einfach rein, macht Spaß!

Nextbike startet in Mönchengladbach- 250 Leihräder an 35 Stationen

Quelle: www.nextbike.de

Wer beruflich nach Mönchengladbach muss und zum Beispiel vom Hauptbahnhof weiter will, kann sich ab sofort auch ein Leihrad mieten. In Gladbach und Rheydt werden die Räder jetzt von nextbike angeboten. Sie machten bei einer ersten Testfahrt einen sehr hochwertigen Eindruck. Auch für kleine Touren in der Innenstadt, für die man nicht das Auto nutzen will, um auf die nervige Parkplatzsuche zu verzichten, macht das Verleihsystem durchaus Sinn.

30Minute radeln = 1€

Eine halbe Stunde Radfahren kostet 1€. Gebucht wird das ganze per App oder Smartphone. Bezahlbar mit Kreditkarte, Lastschrift oder Paypal. Das ganze ist schnell und simpel eingerichtet. Damit es wirklich schnell geht, sollte man allerdings Kreditkartendaten oder einen Paypal-Account zur Hand haben. In Mönchengladbach beginnt man mit 250 Rädern an 35 Stationen, überwiegend in den Innenstädten Gladbach und Rheydt. Zukünftig, jenachdem wie das System angenommen wird, will man auch in die Außenbezirke. Aufgrund der Topographie in Gladbach könnte es auch sein, dass nextbike zukünftig Pedelecs anbietet. Die Räder in Mönchengladbach haben eine Dreigangschaltung, sowie Rollerbreaks vorne und hinten.

Santander Bank als Sponsor

Unterstüzt wird nextbike in Mönchengladbach von der Santander Bank. Denn neben den Rädern und einer App, muss auch ein Werkstatt- und Serviceteam bereit gehalten werden.   Das Team im Hintergrund hält einerseits die Räder in Ordnung und sorgt gleichzeitig dafür, dass an den Ausleihstationen immer Fahrzeuge vorrätig sind. Dies macht besonders an hochfrequentierten Stationen, wie den Hauptbahnhöfen oder der Hochschule Sinn. Das Unternehmen nextbike aus Leipzig ist bereits in 200 Städten in 25 Ländern mit öffentlichen Fahrradverleihsystemen aktiv und verfügt daher über viel Erfahrung mit öffentlichen Leihsystemen.

Quelle: www.nextbike.de

Hier gibt es bald Nextbike Stationen in Mönchengladbach:

Santander-Platz, Nordpark, Buscherstraße, Hochschule-Campus, Richard-Wagner-Straße, Grenzlandstadion, Amtsgericht-Brucknerallee, Marktplatz Rheydt, Geneicken Bahnhof, Marienplatz, Rheydt HBF, Krankenhaus Rheydt, Studentenwohnheim Rheydt, Musikschule, Berliner Platz, Bismarckplatz, Hauptbahnhof- Europaplatz, Hauptbahnhof- Platz der republik, Hindenburgstraße, Alter Markt, Bahnhof Lürrip, Schillerplatz, Zentralbibliothek, Aachener Straße/Sandradstraße, Jahnhalle, Aretzplätzke, Ludwig-Weber-Straße, Schmölderpark-Eisenbahnstraße, Schmölderpark- Urftstraße, Theater, Geroplatz, Hohenzollernstraße/Bismarckstraße, Wasserturm, Am Landgericht, Hochschule- FB Wirtschaftswissenschaften.

Podcast Interview mit Dennis Steinke (Nextbike):

Podcast Nextbike in MG

Bärenfalle Picnic: Warum ein hipper Milchmann Aldi und Co. gefährlich werden könnte

“Die Milch ist schon wieder alle! Wo ist mein Handy?” – Wo früher noch der Gang zum Supermarkt oder dem Discounter um die Ecke zum wöchentlichen Pflichtprogramm zählte, könnte schon bald  das Smartphone zum Verbleiben auf der Couch einladen. Denn geliefert werden Milch, Schokoaufstrich, Klopapier und alles andere für den täglichen Bedarf von einem gepflegten Supermarkt-Hipster. Alles im festen Lieferungs-Zeitfenster, damit man auch garantiert zu Hause ist. Und den leeren Wasserkasten nimmt der Hipster auch gleich mit – im schicken nachhaltigen Elektro-Flitzer.

Picnics kleine Electro-Vans für den großen Verkehr in der Stadt (Quelle: www.picnic.app)

Dieses Szenario ist in manchen deutschen Städten schon keine Utopie mehr. Und auch in den Niederlanden zählt die Online-Bestellung von Lebensmitteln längst zur Normalität. Grund für diesen Boom im Nachbarland ist der Online-Supermarkt Picnic.  Mit 175 Tausend Kunden in 55 Städten ist der in den Niederlanden extrem erfolgreich und macht sich auch immer mehr in Deutschland breit. Mit einem Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro will man das Land des “Geiz ist Geil”-Slogans aufrollen. Bisher ist Picnic im Rheinland unterwegs: Neuss, Meerbusch, Düsseldorf und ab Mitte September auch in Mönchengladbach.

Picnic geht auf verwöhnte deutsche Kunden ein

In der fußballaffinen Vitusstadt am Niederrhein, hat man eine große Zentrale im Zentrum angemietet. Dort stehen 15 kleine Elektro-Vans bereit, um auf die Bestellungen der Kunden zu reagieren. Das Interesse ist groß. Laut Picnic Mitgründer Frederic Knaudt haben sich schon rund 2.500 Mönchengladbacher für den neuen Dienst registriert. “Wir merken heute bereits, dass es für viele selbstverständlich ist Reisen, Bücher oder Kleidung online zu bestellen. Und da ist der Schritt zu Lebensmitteln heute nur noch ganz klein und wir sind fest davon überzeugt, dass die Zeit dafür jetzt reif ist”, sagt Knaudt.

Picnic Mitgründer Frederic Knaudt                          (Quelle: www.picnic.app)

Bisher ist es aber noch keinem Anbieter gelungen, die deutschen Kunden, die im Lebensmittelbereich als verwöhnt gelten, zufrieden zu stellen. Im Land in dem der Discounter Aldi erfunden wurde, guckt man stark auf den Preis und erwartet trotzdem top Qualität. E-Commerce Experte Professor Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein geht jedoch davon aus, dass Picnic dabei ist, diese schwierige Aufgabe zu lösen.  “Picnic hat im Grunde die Zustellung anders aufgesetzt als andere Händler, die sich in diesem Bereich versucht haben.“

Zustellungskosten als Nadelöhr

Bisher knappsten die vor allem an den sehr hohen Zustellungskosten, bei relativ geringen Durchschnittseinkäufen. Im Grunde darf die Zustellung nicht mehr als fünf Euro kosten, sagt etwa Rewe. Und das wird in der Regel nicht eingehalten. Picnic geht hin und holt wieder das alte Milchmann-Modell aus der Schublade. Zugestellt  wird zu einem festen Termin in der Woche. Das versetzt Picnic auch in die Lage gebündelt eine ganze Straße oder sogar einen Stadtteil komplett zu beliefern. „Und deswegen sind sie sehr viel günstiger”, sagt Heinemann.

E-Commerce Experte Prof.Dr.Gerrit Heinemann (Hochschule Niederrhein)

So könnte das Start-up das schaffen, was große Supermarktketten und Discounter bisher nicht einmal versuchen: Kunden von daheim Lebensmittel online bestellen lassen und zu günstigsten Preisen kostenlos nach Hause liefern. Sollte der Kunde seine Gewohnheiten ändern – also Parkplatz  suchen, an der Kasse zu stehen, schwere Einkaufstaschen schleppen – könnten nach Schätzungen von Professor Heinemann in den nächsten 5 bis 10 Jahren Milliarden Umsätze aus dem Supermarkt ins Onlinegeschäft wandern. Heinemann: “Ich glaube, dass wir in zehn Jahren nicht bei zehn Prozent Online-Anteil im Lebensmittelbereich sein werden. Wenn überhaupt, irgendwo zwischen fünf und zehn Prozent. Aber das ist schon ein riesen Betrag. Da sprechen wir schon über 10 bis 20 Milliarden Euro Umsatz, die den anderen Lebensmittelhändlern fehlen werden.” Und wer einmal Online seine Lebensmittel einkaufe, der gehe nicht so schnell zum alten Modell zurück. Deswegen sei das Thema nicht zu unterschätzen.

Das zeigt auch der Blick ins europäische Umland. Während in Deutschland der Online Lebensmittelhandel noch unter einem Prozent liegt, sieht der Markt bei den Nachbarn schon ganz anders aus. “In Frankreich zum Beispiel, da sind  wir wahrscheinlich schon bei über fünf Prozent Online-Anteil. Auch in Großbritannien liegen wir schon bei fast sieben Prozent. Da ist Deutschland eine echte Ausnahme. Das ist eben der “typische” Deutsche, der sehr sparsam nach dem Motto “Geiz ist geil” einkauft. Das ist ein großer Unterschied”, so Heinemann.

Picnic und Amazon Fresh: Bequemlichkeit schlägt Geiz

Aber Bequemlichkeit schlägt alles. Das hat das Internet nicht allein durch den Erfolg des Online-Riesen Amazon eindrucksvoll bewiesen. Mit Büchern fing es an und die Lawine rollte weiter vom Buchladen, über den Sporthändler, zum Plattenladen und jetzt scheint der Supermarkt an der Reihe zu sein. Auch Amazon ist, wenn auch für viele noch unbemerkt, im Lebensmittelbereich unterwegs.

„Geiz ist geil!“, aber Bequemlichkeit noch geiler

Und so glaubt Heinemann, das Picnic und Amazon Fresh den Online Lebensmittelhandel in Zukunft zu 50 Prozent unter sich aufteilen werden. Heinemann: “Amazon Fresh ist momentan in deutschen Metropolen aktiv, wie Berlin, Hamburg, mittlerweile auch München.  Amazon verfolgt dabei eine sogenannte Wasserfall-Strategie. Das heißt, man erobert eine Metropole nach der anderen. Danach die Oberzentren.” Bis dann auch kleine Städte, wie etwa das niederrheinische Viersen beliefert werden könnten, wo der Konkurrent Picnic bereits ein großes Lager unterhält, würden aber wahrscheinlich noch zehn Jahre vergehen.

Trotzdem muss der deutsche Lebensmittelhandel aufpassen. Nach Einschätzung des Professors aus Mönchengladbach müsse man jetzt sehr viel mehr tun, um in der Entwicklung mithalten zu können. Denn die Digitalisierung der Lebensmittelbranche sei nicht aufzuhalten und könne sich sehr schnell zu einer gefährlichen Falle entwickeln, wenn man sich mit weniger Umsatz zufrieden gebe, so Heinemann. “Dieses stehen bleiben und nicht mitgehen, nennt man Bärenfalle. Im Grunde lässt man sich von den Konkurrenten einkreisen, bis dann irgendwann ein Punkt erreicht ist, wo man nicht mehr in der Lage ist aufzuholen und dann greift der Bär an- so wie Amazon.”

Und Picnic.

Warum ich nicht mit dem Rad zur Arbeit fahre…und das auch nicht ändern werde!

Es ist gesund, es macht Spaß, es ist gut für die Umwelt. Deshalb fahre ich gefühlt dreimal im Jahr mit dem Rad zur Arbeit. Meistens wenn meine Kommune bei der Aktion Stadtradeln mit macht. Aber warum eigentlich nicht öfter? Darüber habe ich mir mal ein paar Gedanken gemacht. Im Endeffekt, weil Radfahren nicht genügend gefördert wird. Oder hat irgendjemand schon mal einem Radler eine Umweltprämie ausgezahlt? VW Touareg Fahrer machen da ganz andere Erfahrungen. Das ist schon irgendwie krank.

Die Autoindustrie ist auch schuld, dass ich so verweichlicht bin. Früher bin ich bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Schule. Weil es einfach nicht anders ging. Dann hatte ich endlich den Lappen und musste mich nicht mehr wechselnden Wetterbedingungen ergeben und gegen Berge oder Wind strampeln.

Duftbäume für Radfahrer

Als Autofahrer wird man mit der Zeit sehr sensibel. Besonders wenn man das Auto nutzt, um in ein Büro zu fahren. Radfahren passt da gar nicht rein. Man kommt verschwitzt bei der Arbeit an  und der Duftbaum für Radfahrer wurde leider noch nicht erfunden. Es müffelt. Man hat außerdem doppelt so lange gebraucht, wie mit dem Auto. Wenn man den Kollegen erzählt, wie langsam man unterwegs war, wird man für seinen körperlichen Zustand belächelt. Zum Feierabend will man schnell bei der Familie sein, braucht aber eine halbe Ewigkeit. Und vor allen Dingen darf kein unvorhergesehener Termin auftauchen, denn mit dem Rad bei der Arbeit ist man eher unflexibel.

Das sind kurz zusammengefasst die entscheidenden Punkte, warum ich 99Prozent des Jahres auch weiterhin mit dem Auto zur Arbeit fahren werde. Mit dem Rad ist es einfach nicht so komfortabel, wie mit dem Auto. Und eins haben wir im Zeitalter der Digitalisierung gelernt: Bequemlichkeit schlägt alles.

Welche Bequemlichkeit müsste das Rad also mitbringen, damit ich es täglich zur Arbeit nutzen würde? Denn ich möchte gleich klarstellen, dass ich bestimmt kein Bewegungsmuffel bin. Im Gegenteil. Wenn ich die Gelegenheit habe Sport zu machen oder ansonsten aktiv zu sein, bin ich dabei. Also, was müsste sich am jetzigen Zustand ändern, dass ich lieber mit dem Rad zur Arbeit fahre als mit dem Auto?

1. Ich will einen Radschnellweg

Der Weg zur Arbeit müsste wesentlich schneller zurückgelegt werden können. Momentan muss ich über Schleichwege oder schlechte Straßen ohne Radwege fahren. Oder über schlechte Radwege. Und ständig lauern irgendwelche Drückerampeln, die mich immer wieder ausbremsen. Oder Autofahrer, die mir die Tür ins Rad hauen, weil die Parkplätze natürlich genau neben dem Radweg platziert wurden. Oder Bushaltestellen.
Wenn ich mir vorstelle (was natürlich völlige Utopie ist) ich dürfte mit dem Rad den gut asphaltierten geradlinigen Weg über den Standstreifen der Autobahn nutzen, wäre auf dem Weg zur Arbeit zeitmäßig schon viel gewonnen. Also ein Radschnellweg von Stadt zu Stadt, dass hätte was. Gerade Strecke, gut asphaltiert, ohne Ampeln. Das wäre eine Qualitätsverbesserung. Mit dem richtigen Rad, ein Traum.

2. Ich will ein Dienstfahrrad

Ein Dienstfahrrad, der gehobenen Qualitäts-Klasse, bezuschusst vom Arbeitgeber, dass würde das Radfahren zur Arbeit noch einmal ein Stück schöner machen.  Ein geleastes E-Bike oder Dienst-Pedelec, Gegenwind und Steigung interessieren dann nicht mehr. Ich gleite dahin;-) Wie nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Arbeitgeber von einem Dienstfahrrad profitieren, hat der ADFC in einem Artikel zusammengefasst. Fazit: Ein Dienstfahrrad ist nicht nur preiswerter als ein dicker Audi, sondern hält den Arbeitnehmer auch noch gesund.

3. Ich will eine Dusche am Arbeitsplatz

Das wäre richtig fein. Eine erfrischende Dusche im Büro. Dann kann man auf dem Weg zur Arbeit richtig Gas geben, hat das Training perfekt in seinen Alltag integriert, morgens und abends. Keine Terminkollision mehr zwischen Family-Time und Training. Das Herz-Kreislauf System wird auf dem Weg zur Arbeit trainiert. Die Muskeln auch und das tut auch dem Kopf richtig gut. Eine Dusche im Büro und man kann beschwingt in den Arbeitstag starten. Zumindest in den wärmeren Monaten. Also ein Arbeitgeber, dem Sport und Bewegung im Alltag seiner Mitarbeiter wichtig ist und diesen fördert: Top!

4. Ich will meinen Kopf umbauen

Wenn man ganz ehrlich ist: Dusche am Arbeitsplatz ist schon echt Luxus. Deo tut es auch, fühlt sich nur nicht ganz so gut an. Man könnte öfter über den Feldweg heizen, ein gutes Rad bekommt man auch gebraucht bei ebay Kleinanzeigen. Aber man steckt einfach zu sehr in seinen Bequemlichkeiten und Gewohnheiten, als dass man etwas ändern würde. Wenn die Verkehrswende also wirklich gewollt ist und gelingen soll, braucht es staatliche Förderung und Unterstützung oder sehr gute Anreize aufs Rad zu steigen. Bisher sind die aber kaum zu erkennen, zumindest nicht da wo ich unterwegs bin. Leider! Also muss ich einfach selber versuchen meinen motorisierten Gewohnheiten den Kampf anzusagen. Radförderung fängt vor allem im Kopf an.  Leider auch bei mir;-)

 

Job-Killer Digitalisierung- „Alexa, töte den Radio Moderator…“

Gerade höre ich immer wieder: junge Leute hören kein Radio mehr. Podcast ist der neue heiße Scheiß. Spotify und Amazon Music werben die Musikchefs der großen Radiosender ab. Amazons Lautsprecher Alexa bekommt neue gecastete Stimmen. Mache ich mir deshalb Sorgen um meinen Job als Radio Moderator? Nein, denn ich weiß was viele nicht wissen, dass es dieses Job-Klischee aus den 80ern gar nicht gibt. Also den Typen, der mit ein paar flotten Sprüchen und seinen heißen Scheiben vor einem Mikro sitzt und gute Laune fabriziert. Aber ansonsten nix drauf hat. Diese Typen gibts vielleicht noch beim Bürgerfunk. Also bei den Amateuren, nicht bei den Profis.

Radio Moderator 2018 = Alleskönnenmüsser

Mein Arbeitsalltag beim Radio besteht nur zu einem kleinen Teil aus reiner Moderation im Studio. Davor ist viel Recherchearbeit notwendig. Passende Themen müssen gefunden und abtelefoniert werden. Ist die Zeit vorhanden, geht es raus zum Interview. Parallel müssen Social Media Kanäle bespielt werden. Und im Studio geht es neben der Präsentation auch um das sorgfältige in einander fahren der Musik oder die Auswahl der richtigen Werbe-Jingels, die auf die Songs geblendet werden müssen. So ist das moderieren einer vierstündigen Sendung eine hochleistungs Konzentrationsaufgabe. Vergleichbar mit einem Fluglotsen, der im Tower nonstop den Himmel überwachen muss, damit keine Katastrophe passiert. Highend Öffentlichkeitsarbeit.

Schreiben, filmen, fotografieren, Grafikbearbeitung- Der Beruf Hörfunk-Redakteur ist heute 3 bis 5 Jobs in einem. Aber das wichtigste neben digitalen Skills ist und bleibt die Empathie…

Der sympathische Radiowecker

  • es gibt doch nichts schlimmeres, als das Geräusch des Weckers am Morgen. Als Frühmoderator muss man sich deshalb bewusst sein in diesen kritischen Stunden des Tages, dass richtige Gefühl zu treffen. Wie klinge ich am besten, wie formuliere ich ein Thema ansprechend. Wie ordne ich Themen ein, wie erkläre ich komplizierte Zusammenhänge möglichst einfach, damit sie auch beim Zähneputzen noch verstanden werden.
  • wie bringe ich den drögen Wetterbericht ohne Schnickschnack sympathisch, nützlich auf den Punkt
  • wie formuliere ich Verkehrsnachrichten ansprechend und welche Verkehrsmeldungen braucht mein Hörer, damit es nicht zur endlos Stauschau kommt
  • wie schreibe ich Agenturmeldungen um, dass sie gut klingen (Schreiben für das Hören) und wie präsentiere ich sie am besten, so das ich nicht klinge wie ein Onkel der aus einem Märchenbuch vorliest
  • und das muss auch möglich sein: die komplette Vorbereitung über den Haufen werfen und spontan auf aktuelle Ereignisse angemessen reagieren

Der Journalist und Schreiberling

  • Showprep: Sendung vorbereiten und nachbereiten
  • Themen finden, nachrecherchieren, einplanen und radiogerecht aufbereiten
  • checken welche Pflichtthemen evt. für Werbekunden gesendet werden müssen
  • während der Sendung Social Media Kanäle scannen und ggf. während der Sendung Themen daraus machen

Producer, Sendungstechniker, Selbstfahrer

  • die komplette Sendung 2 bis 4 Stunden nonstop auf die Antenne bringen
  • während man journalistisch anspruchsvolle Themen locker lässig präsentiert, nebenbei ein Mischpult mit hunderten Knöpfen und bis zu 20 Reglern blind bedienen wie ein Top DJ
  • auf die Anmutung achten, so das der Sound des Senders in Musik, Moderation und sonstiger Klangfarbe immer wiederzuerkennen ist
  • dafür sorgen, dass immer etwas zu hören ist, alle Computerprogramme laufen, so das kein “Sendungsloch” gefahren wird (der Supergau des Radio Moderators: Stille;-)
  • die Uhr immer im Blick, Timing, Timing, Timing. Musik, Beiträge, Werbung, alles muss passen, damit pünktlich! zur halben und zur vollen Stunde die Nachrichten laufen

Call Center Agent und Chat Bot

  • den Studio Email Account, Whatsapp und Facebook Messenger immer im Blick haben und Höreranfragen schnell und passend beantworten
  • Die Verkehrshotline annehmen und freundlich genervte Autofahrer begrüßen
  • Gewinnspiele abwickeln und durchführen
  • immer freundlich, immer nett und das alles während der laufenden Sendung

Social Media Manager und Planer

  • möglichst immer auf den eigenen Social Media Kanälen aktiv sein und das werden immer mehr (Facebook, Instagram, Whatsapp Snapchat, Blog, Twitter,Youtube)
  • auch die SM-Kanäle des Senders im Blick behalten und aktualisieren
  • Themen finden (Überregional, ernst, bunt, lustig, traurig, relevant)
  • immer zum Selfie bereit, fotogen sein
  • Videos und Fotos schießen können, die qualitativ hochwertig sind
  • quasi immer online sein, nicht nur während der Sendung

Das alles und noch viel mehr gehört zum ganz normalen Wahnsinn eines Radio Redakteurs. Wahrscheinlich habe ich noch eine ganze Menge vergessen. Diese Aufgaben sind immer diszipliniert, freundlich und lässig zu erledigen. Daneben mit der On Air Präsenz das Gesicht des Senders sein. Als Radio Moderator trägt man eine Menge Verantwortung und muss in der Lage sein, den Sender immer sympathisch und kompetent nach draußen zu verkaufen. Nicht mehr nur On Air, sondern auch in der digitalen Welt.