Azubimangel im Handwerk und was Damentoiletten damit zu tun haben

Foto: Isabella Raupold

Es ist paradox. Das Handwerk in Deutschland hat richtig gut zu tun. Nach eigener Aussage sind die Auftragsbücher zu 200% gefüllt und Kunden müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Ob Tischler, Elektriker oder Maler. Überall brummts. Trotz guter Auftragslage und bester Zukunftsaussichten findet das Handwerk aber kaum Azubis. Und fehlende Damentoiletten haben damit auch zu tun. Aber dazu mehr am Ende des Textes.

Vom Maler zum Lackierer- Eine Woche Handwerk testen

Als dann die Gelegenheit kam, eine Woche lang Ausbildungsberufe bei der Kreishandwerkerschaft in Mönchengladbach kennenzulernen, musste ich nicht lange überlegen. Beste Gelegenheit für einen Reporter mal nachzufragen bei Azubis und Ausbildern, was sie glauben woran es liegt, dass kaum jemand ins Handwerk drängt. Ich durfte in die Bereiche KFZ, Maler & Lackierer, Elektriker und Tischler reinschauen und habe viel gelernt. Die Berufe sind sehr unterschiedlich und haben meiner Meinung nach größtenteils das gleiche Problem: sie stecken in einer Schublade. Wenn man nicht im Handwerk arbeitet, weiß man eigentlich kaum, was die einzelnen Gewerke so machen. Auch hat man kaum eine Ahnung welche Weiterbildungsmöglichkeiten es nach der Ausbildung gibt. Denn diese bildet eigentlich nur den Grundstock.

Das Handwerk aus seiner Schublade holen

Man lernt nicht am Schreibtisch, sondern an der Werkbank. Könnte für viele eine wichtige Erkenntnis sein, die glauben unbedingt studieren zu müssen. Auch Handwerk ist komplex und fordert. Zum Beispiel der Bereich Elektrik, der immer digitaler wird. Der Maler tapeziert nicht nur, sondern kann auch kunstvolle Untergründe erschaffen und gestalten. Der Tischler darf und muss kreativ sein, muss Gefühl für Oberflächen haben und viel mit Auge arbeiten. Der KFZ- Mechatroniker trägt große Verantwortung, denn er repariert die Bremsen des 180 km/h schnellen Autos. Der Elektriker schließt nicht nur die Steckdose an, sondern programmiert auch Schaltungen.

Keine Damentoilette in der Autowerkstatt

Ich habe viele nette Menschen kennengelernt in meiner Woche im Handwerk. Habe aber auch gemerkt, dass es Frauen nach wie vor schwer haben. In kaum einer Klasse waren mehr als 2 Damen in der Ausbildung. In mancher gar keine. Im KFZ Bereich ist es zum Beispiel für Mädchen kaum möglich eine Lehrstelle zu finden. Denn viele Betriebe sind nicht auf Frauen vorbereitet. Sie halten keine Damentoilette oder Damenumkleiden vor und können daher weibliches Personal nicht ausbilden. An dieser Stelle muss auch das Handwerk dringend umdenken, um mehr Jugendliche oder Studienabbrecher für eine Ausbildung zu begeistern.

Meine Reportagen und Interviews, die in Sondersendungen „On Air“ gehen, um junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern, könnt Ihr auch hier in den nächsten Wochen als Podcast anhören. Viel Spaß!

Foto: Isabella Raupold