Warum ich nicht mit dem Rad zur Arbeit fahre…und das auch nicht ändern werde!

Es ist gesund, es macht Spaß, es ist gut für die Umwelt. Deshalb fahre ich gefühlt dreimal im Jahr mit dem Rad zur Arbeit. Meistens wenn meine Kommune bei der Aktion Stadtradeln mit macht. Aber warum eigentlich nicht öfter? Darüber habe ich mir mal ein paar Gedanken gemacht. Im Endeffekt, weil Radfahren nicht genügend gefördert wird. Oder hat irgendjemand schon mal einem Radler eine Umweltprämie ausgezahlt? VW Touareg Fahrer machen da ganz andere Erfahrungen. Das ist schon irgendwie krank.

Die Autoindustrie ist auch schuld, dass ich so verweichlicht bin. Früher bin ich bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Schule. Weil es einfach nicht anders ging. Dann hatte ich endlich den Lappen und musste mich nicht mehr wechselnden Wetterbedingungen ergeben und gegen Berge oder Wind strampeln.

Duftbäume für Radfahrer

Als Autofahrer wird man mit der Zeit sehr sensibel. Besonders wenn man das Auto nutzt, um in ein Büro zu fahren. Radfahren passt da gar nicht rein. Man kommt verschwitzt bei der Arbeit an  und der Duftbaum für Radfahrer wurde leider noch nicht erfunden. Es müffelt. Man hat außerdem doppelt so lange gebraucht, wie mit dem Auto. Wenn man den Kollegen erzählt, wie langsam man unterwegs war, wird man für seinen körperlichen Zustand belächelt. Zum Feierabend will man schnell bei der Familie sein, braucht aber eine halbe Ewigkeit. Und vor allen Dingen darf kein unvorhergesehener Termin auftauchen, denn mit dem Rad bei der Arbeit ist man eher unflexibel.

Das sind kurz zusammengefasst die entscheidenden Punkte, warum ich 99Prozent des Jahres auch weiterhin mit dem Auto zur Arbeit fahren werde. Mit dem Rad ist es einfach nicht so komfortabel, wie mit dem Auto. Und eins haben wir im Zeitalter der Digitalisierung gelernt: Bequemlichkeit schlägt alles.

Welche Bequemlichkeit müsste das Rad also mitbringen, damit ich es täglich zur Arbeit nutzen würde? Denn ich möchte gleich klarstellen, dass ich bestimmt kein Bewegungsmuffel bin. Im Gegenteil. Wenn ich die Gelegenheit habe Sport zu machen oder ansonsten aktiv zu sein, bin ich dabei. Also, was müsste sich am jetzigen Zustand ändern, dass ich lieber mit dem Rad zur Arbeit fahre als mit dem Auto?

1. Ich will einen Radschnellweg

Der Weg zur Arbeit müsste wesentlich schneller zurückgelegt werden können. Momentan muss ich über Schleichwege oder schlechte Straßen ohne Radwege fahren. Oder über schlechte Radwege. Und ständig lauern irgendwelche Drückerampeln, die mich immer wieder ausbremsen. Oder Autofahrer, die mir die Tür ins Rad hauen, weil die Parkplätze natürlich genau neben dem Radweg platziert wurden. Oder Bushaltestellen.
Wenn ich mir vorstelle (was natürlich völlige Utopie ist) ich dürfte mit dem Rad den gut asphaltierten geradlinigen Weg über den Standstreifen der Autobahn nutzen, wäre auf dem Weg zur Arbeit zeitmäßig schon viel gewonnen. Also ein Radschnellweg von Stadt zu Stadt, dass hätte was. Gerade Strecke, gut asphaltiert, ohne Ampeln. Das wäre eine Qualitätsverbesserung. Mit dem richtigen Rad, ein Traum.

2. Ich will ein Dienstfahrrad

Ein Dienstfahrrad, der gehobenen Qualitäts-Klasse, bezuschusst vom Arbeitgeber, dass würde das Radfahren zur Arbeit noch einmal ein Stück schöner machen.  Ein geleastes E-Bike oder Dienst-Pedelec, Gegenwind und Steigung interessieren dann nicht mehr. Ich gleite dahin;-) Wie nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Arbeitgeber von einem Dienstfahrrad profitieren, hat der ADFC in einem Artikel zusammengefasst. Fazit: Ein Dienstfahrrad ist nicht nur preiswerter als ein dicker Audi, sondern hält den Arbeitnehmer auch noch gesund.

3. Ich will eine Dusche am Arbeitsplatz

Das wäre richtig fein. Eine erfrischende Dusche im Büro. Dann kann man auf dem Weg zur Arbeit richtig Gas geben, hat das Training perfekt in seinen Alltag integriert, morgens und abends. Keine Terminkollision mehr zwischen Family-Time und Training. Das Herz-Kreislauf System wird auf dem Weg zur Arbeit trainiert. Die Muskeln auch und das tut auch dem Kopf richtig gut. Eine Dusche im Büro und man kann beschwingt in den Arbeitstag starten. Zumindest in den wärmeren Monaten. Also ein Arbeitgeber, dem Sport und Bewegung im Alltag seiner Mitarbeiter wichtig ist und diesen fördert: Top!

4. Ich will meinen Kopf umbauen

Wenn man ganz ehrlich ist: Dusche am Arbeitsplatz ist schon echt Luxus. Deo tut es auch, fühlt sich nur nicht ganz so gut an. Man könnte öfter über den Feldweg heizen, ein gutes Rad bekommt man auch gebraucht bei ebay Kleinanzeigen. Aber man steckt einfach zu sehr in seinen Bequemlichkeiten und Gewohnheiten, als dass man etwas ändern würde. Wenn die Verkehrswende also wirklich gewollt ist und gelingen soll, braucht es staatliche Förderung und Unterstützung oder sehr gute Anreize aufs Rad zu steigen. Bisher sind die aber kaum zu erkennen, zumindest nicht da wo ich unterwegs bin. Leider! Also muss ich einfach selber versuchen meinen motorisierten Gewohnheiten den Kampf anzusagen. Radförderung fängt vor allem im Kopf an.  Leider auch bei mir;-)